Die Sterne stehen gut!

Rapid, fest in deutscher Hand

Dass bei Rapid gleich vier Deutsche in sportlichen Schlüsselpositionen tätig sind, ist wahrscheinlich eine zufällige Konstellation, vielleicht so wie die Konjunktion von Planeten eine ist.

☿♀⊕♂♃

Konjunktion bedeutet in der Astronomie, dass sich Himmelsobjekte auf derselben Beobachtungslinie befinden. Die Symbole in der obigen Zeile repräsentiert die Planeten Merkus ☿, Venus ♀, Erde ⊕, Mars ♂ und Jupiter ♃. Wenn diese Planeten**) also von der Erde aus gesehen auf einer Linie sind, dann ist es eine Art „Planeten-Bingo“. Sterndeuter nehmen solche Ereignisse ernst und interpretieren Allerlei hinein, bis hin zum Weltuntergang. Ein solches, in früheren Jahrhunderten als Weltuntergangsszenario prognostiziertes Himmelsereignis, gab es tatsächlich im Jahr 2000, da war auch noch der Saturn in dieser Reihe.*) Diese planetarische Konjunktion ist aber nur eine Sache des Blickwinkels und von sonst keiner Bedeutung. Dass es bei Rapid vier Deutsche in Schlüsselpositionen geschafft haben, ist ebenfalls ein auffälliges Zusammentreffen, eine Konjunktion. Es ist wahrscheinlich reiner Zufall, hat aber möglicherweise sehr positive Auswirkungen auf den Erfolg von Rapid. Allein schon, weil sie, die Vier, untereinander keine Verständigungsprobleme haben! Immerhin sind sie schon sprachlich integriert, denn die Grundlektion, die richtige Aussprache von „Rapid (rapíd), haben sie schon gelernt. Beutewiener, wie Rudi Edlinger einmal gesagt hat.

Die meisten Rapid-Legionäre waren Deutsche

Unsere ewige Liste der Legionäre zählt 143 Legionäre, davon 32 Deutsche, die bei Rapid tätig waren. Allein sieben davon hat es in den Kriegsjahren nach Wien verschlagen. Hier die Liste der Deutschen bei Rapid im Detail: deutsche Man sieht, die Deutschen sind uns die liebsten! (oder wir ihnen?)

Karrierevergleich

Die folgende Tabelle zeigt den Karriereverlauf der aktuellen Rapid-Deutschen, wobei die Zeit als Spieler weißen Hintergrund und die Zeit als Trainer grauen/grünen Hintergrund hat. karrieren

Warum Deutsche?

Haben Deutsche eine natürliche Begabung für das Fußballspiel und sind deshalb immer ganz oben zu finden? Wer es in Deutschland in eine der Top-Ligen schafft, egal, ob als Trainer oder Spieler, der hat sich gegen eine vielfach größere Konkurrenz durchgesetzt als es in Österreich der Fall ist. Die Dichte der Fußballvereine in Mitteleuropa kann man sicher als ähnlich annehmen. In absoluten Zahlen gibt es (bei derselben Vereinsdichte) in Deutschland – sagen wir – zehn Mal mehr Vereine als in Österreich. Aber die Anzahl der Top-Vereine ist in Österreich 20 (10+10) und in Deutschland 56 (18+18+20), also nur drei Mal und nicht zehn Mal so viele. Daher ist die Selektion für die Akteure in Deutschland größer. Nach diesem Grundsatz „Spieler aus Top-Ligen“ wählt Marcel Koller seine Spieler aus, und dass Rapid vier Deutsche in seinen Reihen hat, weist tendenziell auch in diese Richtung . Auch bei unserem Lieblings-Gegner sind deutsche Trainer fast schon Tradition (Christoph Daum, Joachim Löw, Thorsten Fink). Interessantes Detail: In den letzten 20 Jahren „verbrauchte“ die Austria 29, Rapid aber nur 13 Trainer. Vielleicht kann Rapid sogar von einem gewissen „Kamerad-Schnürschuh-Effekt“ profitieren, in dem Sinn, dass die Deutschen dieser stärkeren Auslese wegen hier ihre Qualifikation beweisen wollen.

Matthäus, ein Gegenbeispiel?

Die mit dem achten Platz sportliche Pleite des Deutschen Lothar Matthäus bestätigt diese Behauptung der stärkeren Auslese in Deutschland nicht gerade. Wenn man aber die Karriere von Lothar Matthäus genauer betrachtet, sieht man, dass er seine Sporen als Trainer nicht in Deutschland verdient hat, sondern Rapid überhaupt sein erster Verein als Trainer war. Daher trifft auf ihn das Argument der stärkeren Selektion in Deutschland nicht zu. Aber dieses schwere Jahr für Rapid bescherte uns mit dem damaligen Nachwuchsspieler Steffen Hofmann eigentlich ein Fußballwunder, denn welcher Spieler kann schon heutzutage auf 15 Jahre bei einem Verein zurückblicken.

AEIUO

Dass Deutsche in Österreich bleiben, hängt auch an (zufälligen) familiären Umständen. Sowohl Carsten Jancker als auch Steffen Hofmann haben über ihre Partner den Lebensmittelpunkt in Österreich gefunden. Es erinnert ein bisschen an den habsburgischen Slogan „AEIOU“, der ausdrückt, dass man sich erfolgreicher durch Heirat stärkt. In kriegerischen Auseinandersetzungen hat Habsburg sehr oft, den Kürzeren gezogen und das wieder erinnert uns fatal an Fußball. Vielleicht mutiert ja unser Trainer Mike auch zu einem sesshaften Wiener, wer weiß. Erfolg macht vieles möglich.

Sterndeutung

Immer, wenn wir nicht wissen, warum eine auffällige Situation so ist, wie sie ist, wenn sie also zufällig ist oder uns zumindest zufällig erscheint, dann beginnt die Zeit der „Sterndeuter“, die meinen, daraus etwas für die Zukunft ableiten zu können. Und sie schwanken dabei von einer positiven Zeitenwende bis hin zum Weltuntergang; Man kann es sich aussuchen. Was also können wir also aus unserer deutschen Personal-Konjunktion prognostizieren? Noch nicht sehr viel! Es gab ja erst 6 Pflichtspiele mit 4 Siegen (Karabagh, Ried, Zhodino, Austria), einem Unentschieden (Zhodino) und einer Niederlage (Altach). Aber die gefühlte Euphorie und das Vertrauen der Fans ist groß und man hat das Gefühl, dass derzeit bei Rapid „Nägel mit Köpfen“ gemacht werden. Gehen wir also davon aus, dass diese Konjunktion gemeinsam mit dem neuen Stadion eine positive Zeitenwende für Rapid eingeläutet hat und unser Kapitän noch einen späten Titel zu seinen zwei 2005 und 2008 hinzufügen kann- und wir natürlich mit ihm!

Kennst Du den?

Abschließend noch ein Witz, an den mich diese personellen Besonderheit erinnert hat: Ziehen vier reiselustige Fußball-Profis aus Deutschland nach Österreich. In Deutschland hat man den Abgang nicht besonders wahrgenommen, in Österreich aber werden sie Stars. (In Abwandlung des inversen Burgenländer-Witzes, bei dem ein Burgenländer in die Steiermark übersiedelt, worauf es im Burgenland einen Todl weniger gibt und in der Steiermark einen Ingenieur mehr.)

Bilder

Bilder in diesem Tagebuch sind mit wenigen Ausnahmen immer selbst gemacht.
  • Bild von Andreas Müller und Mike Büskens von der Pressekonferenz am 26. 7. 2016
  • Bild von Carsten Jancker vom Rapid-Stammtisch am 18. 5. 2011
  • Das tolle Foto von Steffen Hofmann vom Falter-Cover vom Februar 2016, das auch im Rapideum zu sehen ist, hat es mir aber angetan. Der Fotograf des Bildes, Christopher Mavrič, hat mir freundlicherweise erlaubt, es für diesen Artikel zu verwenden.
Portrait von Steffen Hofmann, Mittelfeldspieler bei Rapid Wien
Portrait von Steffen Hofmann, Mittelfeldspieler bei Rapid Wien. © Christopher Mavrič
Das Bild erinnerte mich an jenes vom Augustin, bei dem ein Artikel über den „Grün-weißen Herrn Violett“ erschienen ist und das ich symbolisch für den planetarischen Beobachter auf der Erde in die Mitte der Titel-Collage gestellt habe. planeten

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Anmerkungen

*) Dass diese Konjunktion im Jahr 2000 zu liegen kommt, ist kein Zufall. endzeitIn seinem Buch „Endzeit“ beschreibt Sepp Rothwangl auf eindrucksvolle Weise die Entstehung unserer Zeitrechnung. Früher nahm man an, dass die Existenz der Welt mit einer solchen großen Planetenkonjunktion begann und dass ihr Ende wieder durch ein solches Ereignis markiert sein wird. So kompliziert uns das auch erscheinen mag, diese Ereignisse konnte man schon sehr früh, sehr exakt vorausberechnen. Das tat der spätantike Mönch Dionysius Exiguus. Er war der Urheber der AD-Jahreszählung („Anno Domini“) unseres heutigen Kalenders. Sepp Rothwangl zeigt, wie willkürlich diese Jahreszahlen eigentlich sind. Sie wurden damals, vor 1500 Jahren so festgelegt, dass der „Weltuntergang“, durch eine große Planetenkonjunktion, gerade auf das „runde“ Jahr 2000 zu liegen kam. Wie hartnäckig sich solche Aberglauben auch in unserer aufgeklärt scheinenden Zeit halten, zeigen Sekten, die im Jahr 2000 tatsächlich auf diesen Weltuntergang warteten. **) Zu den Planeten zählten im Frühmittelalter auch der Mond und die Sonne.

Vorschau

Nicht vergessen, morgen Freitag findet um 19:30 das erste Heimspiel von Rapid II auf West I statt. Jahreskartenbesitzer zahlen die Hälfte (5,-/3,- Euro). Vollständiger Pressetext.

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