Hauptversammlung

Die Hauptversammlung 2014 fand am 27.11. um 19:00 im Kongress-Center der Messe Wien statt. Der riesige Saal war zu Beginn der Veranstaltung voll, sehr zur Freude der Veranstalter. Und es gab Einiges an Neuigkeiten rund um Rapid. Der strittigste Punkt war wohl die Bestellung von Christoph Peschek zum Geschäftsführer von Rapid (Eigenbericht von Rapid und hier der etwas klarere Bericht von 90minuten.at). Jeder der Sprecher nimmt darauf Bezug, dass sich Rapid derzeit nicht gerade im Aufwind befindet; dennoch ist man wegen des internationalen Startplatzes optimistisch.

In der halben Stunde bis zum eigentlichen Beginn um 19:30 kommen Kurt Garger, Renate Brauner und Robert Grüneis (Wien Energie) zu Wort. Derzeit ist Kurt Garger Sportdirektor bei der Vienna. Von den vier Meistertiteln und vier Cuptiteln auf die Kurt Garger in seiner Karriere bei Rapid zurückblicken kann, können heutige Spieler und deren Fans nur träumen.

Kurt Garger

Sportdirektor Andreas Müller berichtet über die Transfers, Erfolge und Misserfolge der letzten Saison. Er beherrscht schon perfekt das Wortspiel wenn über die lokalen Rivalen gesprochen wird und er fordert auch Loyalität gegenüber den Spielern und gegenüber dem Verein, eine Tugend die im Wiener Publikum tatsächlich gerne vergessen wird.

Andreas Müller berichtet über die abgelaufene Saison

Mit einem dynamischen Bericht über das abgelaufene Jahr zeichnet Präsident Kramer zunächst ein positives Bild und bittet auch Domenico Jacono zu einem Zwischenbericht über die Projektgruppe „Leitbild für den SK Rapid“ auf das Podium.
Michael Kramer präsentiert die Projekte von Rapid
Domenico Jacono „Leitbild für den SK Rapid“
Danach geht es um die wichtigste Personalentscheidung der letzten Tage, die Bestellung von Christoph Peschek zum Geschäftsführer von Rapid. Die Aufgaben und Qualifikationen dieses Amtes werden aufgezählt und das Auswahlverfahren, das gemeinsam mit einer Personalberatungsfirma durchgeführt wurde, beschreiben. Christoph sei der geignetste aus 70 Kandidaten gewesen. Das Publikum kommt trotz einiger Unmutsäußerungen an dieser Stelle noch nicht zu Wort, denn zuerst präsentiert sich noch Christoph Peschek selbst.

Christoph Peschek präsentiert seine Vision von Rapid
Es war ihm schon anzumerken, dass ihn die Aufregungen dieser Tage und die Kritik aus dem Saal nicht unberührt gelassen haben. Aufhorchen ließ seine Aussage, dass er andere Ämter, die er derzeit noch inne hat, zurücklegen werde, um sich voll auf Rapid konzentrieren zu können.

Es folgte der Bericht der Kassenprüferin und des Finanzreferenten Martin Bruckner. Erst danach kamen die Kritiker der Personalentscheidung zu Wort, die allerdings durch Langatmigkeit viel von der durchaus angebrachten Kritik nicht ganz „rüber brachten“. Der Vertreter der Personalberatungsfirma bestätigte zwar die Angaben des Präsidenten aber sein Auftritt war nicht unbedingt „vertrauenerweckend“.

Es folgte eine Präsentation der Umfrage „Mitglied neu“ und der Auswertung der zugehörigen Mitgliederbefragung sowie die Vorstellung der Fanartikel-Kollektion exklusiv für Mitglieder. Aber der eigentliche Hit war die Präsentation der neuen Mitgliedsform „Mein Leben lang“. Für 1899,- Euro können 1899 Mitglieder eine lebenslange Mitgliedschaft erwerben. Für mich selbst ein fairer Preis, denn er motiviert mich zum länger leben; für meinen Sohn Florian geradezu ein Schnäppchen. Der Vorteil für Rapid: Rapid bekommt das Geld jetzt, wo man es braucht. Sollte man – sagen wir – 1000 solcher Mitgliedschaften verkaufen, wären das 2.000.000 Euro in der Rapid-Kasse; das ist so wie 20.000 neue Mitglieder. Ein Mikro-Sponsoring für den Kleinen Mann. Das Präsidium ließ sich nicht lumpen, denn jedes Präsidiumsmitglied erwarb eine solche Mitgliedschaft, der Präsident sogar zwei, denn jene mit der Nummer 1 widmete er unter große Jubel der Mitglieder Alfred Körner, dem ältesten aktiven Rapidler.

Mitgliedschaft „Mein Leben lang“
Das Stadion wollte natürlich auch präsentiert werden und Harry Gartler zeichnete ein Bild der verschiedenen formalen Meilensteine der letzten Monate. Dass es gelungen ist, eine Baugenehmigung innerhalb weniger Monate mit allen beteiligten Behörden durchzubringen sei für Kenner der Wiener Bürokratie wie ein kleines Wunder. Aber im Grunde war es wohl das gemeinsame Wollen aller Beteiligten, das dieses einzigartige Projekt Gestalt annehmen lässt. Rapid ist einer von nicht allzu vielen Vereine, der sein eigenes Stadion errichtet. Es wurde nicht vergessen, der Stadt für die Subvention und die Unterstützung zu danken aber Harry Gartler hat es durch die Art seine sehr guten Präsentation zum Ausdruck gebracht, dass er und damit auch Rapid nicht ganz ohne Stolz auf diese Leistung zurückblickt, deren baulicher Abschluss im Mai 2016 ziemlich gesichert erscheint.

Harry Gartler präsentiert das neue St. Hanappi, das Allianz-Stadion
In einer Laudatio auf den Langzeitpräsidenten Rudolf Edlinger beschrieb Michael Kramer die lebenslange Verbundenheit von Edlinger mit Rapid und verlieh diesem die Ehrenpräsidentschaft.

Ehrenpräsident Rudolf Edlinger
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Ich kann es mir nicht verkneifen den sonderbaren Gerechtigkeitssinn des ansonsten durchaus geschätzten Wiener Bürgermeisters zu kritisieren. Da hat er zwei Kinder, ein großes und ein halb so großes. Die Kinder brauchen Taschengeld. Schlau wie der Herr Bürgermeister ist, gibt er beiden Kindern gleich viel, weil das dem breiten Publikum sehr gerecht vorkommt. Natürlich hat aber das größere Kind bereits andere Ansprüche als das kleine aber das sagt der Herr Bürgermeister bei seiner Verteilungsaktion nicht in die Kamera. Da aber das große Kind bereits besser planen kann, stellt es (um dasselbe Taschengeld) ein ganzes Stadion auf die Beine, während das kleine gerade einmal sein Stadion vor Zugluft schützt, indem es die Stadionecken schließt, denn sitzen wird dort die meiste Zeit ohnehin niemand. 

Bleibt noch eine Anmerkung zu der Bestellung von Christoph Peschek: Verstehen kann ich die Kritiker schon, denn die Optik ist schief. Da konnte auch eine genaue Beschreibung des Auswahlverfahrens nichts ändern. Wenn in einem Auswahlverfahren steht „Beste Kontakte zu Behörden und öffentlichen Einrichtungen insbesondere zus Stadt Wien“ (siehe Bild 44), dann kann man damit praktisch jeden Konkurrenten aus dem Rennen werfen, wenn man diesen Punkt entsprechend hoch gewichtet. Dabei nützt es auch nichts, wenn man beteuert, dass der Sieger, eben Christoph Peschek in mehreren Bewertungen die Bestnote erhalten hat. 

Denken wir dabei an den Autokauf: Psychologen wissen, dass sich unser Unterbewusstsein längst für ein konkretes Auto entschieden hat während unser Intellekt noch an einer Argumentation für dieses Modell arbeitet. 

Vielleicht war die Art der Bestellung nicht so transparent wie man sich das durch die Ankündigungen vorgestellt hat aber verständlich ist sie durchaus. Rapid hat eine lange sozialistisch geprägte Tradition. Rapid ist ein Kind dieser Stadt und braucht die Stadt wie umgekehrt die Stadt Rapid braucht. Diese traditionelle Nähe wurde in der Laudatio von Michael Kramer auch genannt mit zuerst Anton Benya und danach Rudolf Edlinger. Und eben diese Tradition soll mit Christoph Peschek fortgesetzt werden. Rapid hat keinen einzelnen Geldgeber, Rapid hat viele. Und Rapid ist durch Christoph Peschek auch in der Stadtpolitik verankert. Mir gefällt’s.

Was mich dagegen stört, ist Christophs Rückzug aus bisherigen Ämtern, denn dadurch würde eben dieser Kontakt schwinden. Aber vielleicht ist in dieser Sache ja noch nicht das letzte Wort gesprochen, denn es steht ihm ein erfahrener Werner Kuhn zur Seite, sodass vielleicht doch das eine oder andere Tor zur Stadtregierung geöffnet bleiben kann.

Rapid hat auch den Vorvorgänger des neuen Allianz-Stadions, die Pfarr-Wiese selbst geplant. Hier ein Skizze aus der Festschrift aus dem Jahr 1919. Der Neubau im Jahr 1911 war zu Saisonbeginn noch nicht fertig und man absolvierte im Herbst alle Auswärtsspiele und erst im Frühjahr alle Heimspiele. Es folgten ein Meistertitel nach dem anderen. Möge das bei dem neuen Projekt der Rapid-Familie wieder so sein.
Grundriss der Pfarrwiese



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