20-Jahre Steffen Hofmann Fußballgott

Wir können uns nicht erinnern, dass es in der Saure-Gurken-Zeit des Fußballs zwischen zwei Saisonen so viel Aktivitäten mit der Rapid-Familie gegeben hat. Rapid strengt sich enorm an, die durch die Zwangspause der Corona-Zeit entstandenen Defizite zu überwinden.

Sonderausstellung

Eine ausgewählte Gruppe von Rapidlern durfte bei der Eröffnung der Sonderausstellung in der Aula teilnehmen, zum Beispiel die Leihgeber von Ausstellungsstücken, prominente Fangruppenleiter, Wegbegleiter, Pressevertreter, Brucki und der Franz. Brucki ist bei allen diesen Veranstaltungen dabei, weil er einen der bekanntesten Fußball-Blogs mit Schwerpunkt „Rapid“ betreibt. Aber warum der Franz?

Der Autor zählt seit den Anfängen des Rapideums zu den Freunden des Museums.

So etwa ab 2007 war ich ganz begeistert von unseren Auswärtsfahren in die Midlands und nach London und fasste auch damals schon unsere Eindrücke zusammen und sandte dann Briefe an den „Sehr geehrten Herrn Marek“ und berichtete darin über Dinge, die es bei uns nicht gibt und die man nachmachen könnte, nicht wissend, dass Fußballprofis, diese Dinge ohnehin wissen und keine derartigen Ratschläge brauchen.

Am 9. März 2010 schrieb ich wieder einen Brief – etwas frustriert über die Museums-Eröffnung der Austria in deren Osttribüne – an Andy Marek „Gedanken zu einem Rapid-Museum“, Er begann mit dem Satz: „Wenn alles weggeworfen wurde, wenn Brand, Krieg, Wasser alles zerstört haben, wenn Bagger alles planiert haben, wenn alles in alle Welt zerstreut wurde, was dann noch bleibt, das ist das Material für ein Museum.“ Tatsächlich lud mich Andy Marek gemeinsam mit Thorsten Leitgeb und Domenico Jacono ein, erste Ideen für ein Museum zu sammeln. Dieses damalige Treffen war der Startschuss für das Rapideum, das dann am 14.12.2011 eröffnet wurde. Seit dieser Zeit werde ich bei Veranstaltungen rund um das Museum eingeladen. Das war auch der Zeitpunkt des gegenseitigen Du-Worts.

Bruckis Fußball-Blog

Bei einer Unterhaltung mit Brucki erfuhr ich von seinem ehrgeizigen Ziel. Brucki betreibt seinen Blog seit 2006, also etwa so lange wie es auch das Tagebuch gibt (2007). Er berichtet über alle Veranstaltungen von Rapid. Die Spiele beobachtet er von der Pressetribüne. Brucki gehört also zu den Profis der Medienszene. Wer seinem Blog folgt, wird erstaunt sein über die vielen Berichte von Spielen unterklassiger Vereine in Österreich aber auch in den benachbarten Ländern. Diese Berichte sind exzellente Zeitdokumente über den Fußball in Österreich in unseren Tagen mit herrlichen Bildern von den jeweiligen Stadien. Bruckis Ziel ist der Besuch wirklich aller Fußballplätze in Österreich, ein aufwändiges und organisatorisch anspruchsvolles Unternehmen. Während ich hier schreibe, kann ich schon auf den Bericht in Bruckis Blog zurückgreifen:

Wer Brucki sucht, sollte – auch in Hütteldorf – nach einem jungen Mann in schwarz Ausschau halten. Er erinnert mich an den jungen Johnny Cash und sein Lied Man in Black.

Martin Lang hat diese Sonderausstellung um 17:00 bereits in der Informationssendung Wien Heute um 18:00 vorgestellt. Er konnte es sich nicht verkneifen zu erwähnen, dass Rapid schon 15 Jahre keinen Titel gewonnen hat. So quasi „Rapid feiert, obwohl es nichts zu feiern gibt.“

Die Gruppe der Ehrengäste durfte auch „Drei im Weckla“ eine Spezialität aus der Heimat von Steffen Hofmann (Kirchberg bei Würzburg) verkosten. Es sind drei Nürnberger Rostbratwürste in einem Weckerl (bei uns in einer Semmel) mit Senf.

Abend mit 700 Mitgliedern

Dieser Abend zeigte wieder sehr deutlich, dass Rapid Treue zum Verein belohnt. Es betrifft nicht nur diesen einen Abend, auch viele andere Situationen zeigen, dass Rapid die dem Verein zugetanen Spieler auf ein höheres Podest hebt als die „Eintagsfliegen“. Und in dieser Popularitätspyramide nimmt natürlich Steffen Hofmann die Spitzenposition ein.

Die Gästeliste war lang. Neben dem Präsidenten Martin Bruckner und den beiden Geschäftsführern Christoph Peschek und Zoki Barisic kamen auch Laurin Rosenberg, Julian Schneps, Andy Marek, Stefan Kulovits, Ferdinand Feldhofer, Erwin „Jimmy“ Hoffer, Helge Payer, Wolfgang Frey, Christopher Dibon, Guido Burgstaller, Veli Kavlak und Mario Sonnleitner.

Eine vierstöckige Jubiläumstorte wurde von der Konditorei Landtmann hergestellt.

Das Bild „20 Jahre Steffen Hofmann Fußballgott“ gibt es im Fanshop

„Der Dr. Lueger hat mir einmal die Hand gereicht“

Irgendwie schließt sich an diesem Abend der Kreis zu den Anfängen des Rapideums. Jeder der Ehrengäste kam unter tosendem Applaus durch den Mittelgang, und es ist mir gelungen, jeden einzelnen auf einem Foto zu bannen. Andy Marek sprach mit Steffen über „20 Jahre Steffen Hofmann Fußballgott“. Er erhielt fast mehr Applaus wie die Spielerstars.

Als Andy durch den Mittelgang ging, war er – wie auch alle anderen – ein großer Anziehungspunkt. Ich saß in der zweiten Reihe und als er mich sah, gab er mir spontan die Hand. Es erinnert mich an das Lied, das 1932 von Hans Moser interpretiert wurde: „Der Dr. Lueger hat mir die Hand gereicht“.

Eigentlich wollte ich einige Geschichten, die an diesem Abend erzählt wurden, an dieser Stelle berichten, doch spielt mir das Kurzzeitgedächtnis schon einen Streich. Zukünftig brauche ich Notizen. Es bleiben daher unsere Bilder (von Robert und Franz, siehe Links). Einer der Höhepunkte war ein Couplet „Da ist ein Loch in der Kanne“ von Steffen und Helge, begleitet an der Gitarre von Andy Marek. Ihr findet einen Audio-Mitschnitt bei den Bildern.

„Professor“ Markus Heikkinen

So, jetzt ist mir doch noch eine Anekdote eingefallen, die mir zeigt, wie wenig wir oft das Spielgeschehen verstehen. Guido Burgstaller gesteht, dass er in seiner Zeit bei Wiener Neustadt bei einem Spiel unseren Steffen gefoult hat, damals noch, ohne zu wissen, welch wichtige Rolle Steffen bei Rapid spielte, und dass er einmal bei Rapid landen würde. Seine Blutgrätsche hatte durchaus Folgen im Sinne von Revanche-Fouls seitens der „Bluthunde“ von Steffen, Markus Heikkinen und Stefan Kulovits. Markus habe sich über den am Boden liegenden Steffen gebeugt und gefragt: „Which number?“ Und es dauerte dann nur wenige Minuten, dass der Platzsprecher melden musste, dass ein Spieler der gegnerischen Mannschaft verletzungsbedingt ausgetauscht werden musste. Steffen ergänzt, dass Stefan in diesem Sinne ein guter Doktor war, aber Markus geradezu ein Professor!

„Piefke“

Eine der am häufigsten wiederholten Hänseleien bei den Gesprächen mit Steffen ist seine Herkunft aus Franken. Weder ist er ein typischer Bayer, obwohl Würzburg zu Bayern gehört, noch zählt er sich zu den „Preußen“, ein Franke eben. Seit dem Austritt von Großbritannien aus der EU beschreibt der Landkreis Würzburg den Mittelpunkt der EU.

„Piefke“ war denn auch an diesem Abend ein oft genannter Kosename für Steffen. Allerdings immer in einem höchst freundschaftlichen Ton.

Als er als 21jähriger nach Wien loszog, gab es in seiner Nachbarschaft zwar – wie überall in Deutschland – viele Fußballfans, doch keinen Rapid-Fan. Jetzt, nach der tollen Karriere von Steffen in Wien, sind es immerhin ein paar Kinder, die ihrem Idol auch in Kirchdorf nacheifern und zu Rapid-Fans geworden sind.

Folgt man Steffens Worten erkennt man eine selten gehörte Mischung aus fränkischer und wienerischer Lautung, etwas, das bei anderen, auch länger in Österreich schaffenden Deutschen kaum anzutreffen ist. In der heutigen Sendung Punkt1 in OE1 meinte Valentino Inzko, ein hoher Repräsentant der EU, dass sich Migranten vom Balkan rascher in Wien einleben als so mancher Deutsche. Er nannte viele populäre Persönlichkeiten, darunter natürlich auch Alma Zadic. Bei Steffen kann man eine Integrationsschwäche nicht beobachten. Er ist in Wien verwurzelt wie kein anderer.

Weitere Hinweise zur Benennung „Piefke“ in diesem Tagebuch

Klanginstallation „Piefke“

In der Gemeinde Gänserndorf gibt es für die „Piefke“ eine eigene Klanginstallation. Sie erinnert an die wahrscheinliche Herkunft dieses Kosenamens, an die Konzertmeister und Brüder Piefke, die nach der Schlacht bei Hradec Králové (Königgrätz) mit ihren Musikchors in der Gegend von Gänserndorf aufmarschiert sind. Die Klanginstallation steht in der Bahnstraße vor der Stadtbücherei. Derzeit ist sie aber ein Torso, weil die Klangplatte fehlt. Sie wird möglicherweise anderswo wieder aufgestellt.

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